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+++ 11. Februar 2012 Guido & Oli in Recklinghausen!!! +++
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Arnaud Cousergue in Hamm, 31.01. & 01.02.2009

Das Staff-Team hatte die Halle perfekt vorbereitet. Markus war so früh da – hatte er sogar in der Halle übernachtet? Kasse & Shop standen 1A, die Waffen waren bereitgelegt, es war also angerichtet, wenn man so will. Erwartet wurde Arnaud Cousergue, 15. Dan, Bujinkan-Urgestein, 2-fach von Soke mit Menkyo Kaiden ausgezeichnet, extrem wissend & fundiert, extrem gut, bekannt für seine unnachahmliche Art, seine Dominanz & Konsequenz – schlichtweg einer der besten Lehrer im Bujinkan weltweit. Es betrat ein grau melierter, bebrillter, sympathisch schmunzelnd drein schauender, mittel bis älterer Herr die Halle. So einer von denen, die der Optik nach Professor für delphin-soziologische Geschichte oder afro-germanistische Kryptologie an irgendeiner Uni sein könnten oder gerne mal am Nachmittag bei Sonnenschein im Café einen selbigen trinken und dabei die New York Times lesen oder die einfach total nett sind und sich auch noch als Kultur-Attaché eines elitären Inselstaates entpuppen und – natürlich – auch Vorstandsvorsitzender einer schwerreichen Aktiengesellschaft sind. Also so ein Herr betrat die Halle und war Arnaud. Der französische Name Arnaud spricht sich übrigens >>Arno<<, also das O bitte betont. Guido & Oli begrüßten ihn und verwiesen ihn nach ihrem Gespräch an mich als Verkaufsstandtätiger. Arnaud hatte eine klasse Auswahl an Literatur und Medien im Gepäck, die gekauft werden konnten und da fiel die Wahl auf mich. Als er mich begrüßte, hatte ich trotz all seiner strahlenden Sympathie das sehr starke Gefühl einem Menschen zu begegnen, der absolute Konsequenz liebt. Und lebt. Was soll ich sagen? Kennst du das, dass dich jemand anschaut, dir die Hand gibt und dich so ein Gefühl beschleicht, dass es irgendwie echt total gut ist, dass der gerade nicht böse auf dich ist? Alter … Dabei gab es überhaupt keinen Grund so zu fühlen. Arnaud ist echt nett und sympathisch. Ich habe aber trotzdem mein ganzes Leben noch nie so gewissenhaft auf anderer Leute Zeugs aufgepasst, wie in diesem Fall. Seminarbeginn. Begrüßung. Arnaud spricht englisch, und das richtig gut und ohne französischen Akzent. Angreifer standen ihm freiwillig zur Verfügung. Aufatmen … Wer allein Arnauds Daumen gesehen hat, der war regelrecht beglückt nicht angreifen zu dürfen. Wie diese Daumen aussehen? Schaue dir Bilder von Takamatsu und dessen Daumen an. Arnaud hat GENAU solche Daumen. Das bedeutet: Treffer von Arnaud ohne Daumen = großer, großer Schmerz inkl. freiem Flug. Treffer von Arnaud mit dessen Daumen = richtig böser, furchteinflößender, dämonischer Schmerz, Erbgut vernichtend. Also schön für uns, dass Angreifer zur Verfügung standen. Interessant war von diesen Angreifern verschiedene Angriffsarten demonstriert zu bekommen. Die genauen Bezeichnungen kenne ich leider nicht. Ganz treffend finde: chicken-style und kangaroo-moves untermalt mit speziellen Sound-Elementen. Die Themen des Seminars, die Arnaud lehrte, waren: Distanz; Sanshin No Kata, Gyokku Ryu, Hanbo, Seil, nuki gatana. Arnaud demonstrierte eine Sanshin No Kata, die sich deutlich von der allgemein bekannten unterschied. Die Kamae des Verteidigers und das Aufnehmen des Angriffs z.B. brach direkt beim Angriff die Balance des Angreifers. Da der Unterschied erheblich ausfiel, übte er bei vielen Teilnehmern Kritik. Ihm fiel auf, dass sehr viele die gewohnten Bewegungen ausführten, und nicht die von ihm demonstrierten. Bei den Techniken aus der Gyokku Ryu bezog Arnaud auch kürzlich graduierte 5. Dane mit ein und ließ sie Techniken erst erarbeiten und dann demonstrieren. Das Demonstrierte nahm er auf und brachte es Arnaud–typisch auf den Punkt. Auch durften wir einen kurzen Eindruck mitnehmen, wie es aussieht, wenn Arnaud sich von 10. Danen aufwärts angreifen lässt. „Come on, fight!“ Und dann ging es etwas ab … aber nur kurz. Das komplette Seminar über hatte ich die Gewissheit, dass Arnaud ständig daran gelegen war, dass ausnahmslos jeder Teilnehmer bei ihm lernt und sich verbessert. Das schließt sämtliche Graduierungen ein. Es könnte ihm als 15. und weit gereister Dan ja doch ein klein wenig bis piep egal sein, ob man etwas mit nach Hause nimmt, aber im Gegenteil: Arnaud gestaltete sein Seminar mit Leib und Seele, gewürzt mit seinem ihm eigenen Humor. Er verlangte 100 % Aufmerksamkeit und Einsatz und achtete mit Argus-Augen (und Takamatsu-Daumen) auf genaue Umsetzung. Er suchte die lehrende Nähe zu uns und war doch etwas genervt und vor allem enttäuscht, dass er als König der Könige behandelt wurde. Seine exzellente Qualität und seine Art & Weise ließen nämlich 99 % der Teilnehmer in Ehrfurcht und Sprachstörungen verfallen, wenn er sie ansprach. Unterm Strich beschrieb er unser Verhalten stichelnd mit: „Ok, that’s germany.“ und schmunzelte ausweichend in die Runde. Dabei zeigte er ganz klar, dass gerade er derjenige war, der gern Fragen beantwortete und zur Verfügung stand ohne sich zu profilieren! Er war sich für keine Wiederholung zu schade und keine Frage war ihm zu dumm. Und neben bei, er weiß genau, was er demonstriert, kennt alle Hintergründe und Intentionen jeder Technik und weiß auf jede Frage eine Antwort. Das war und ist definitiv sehr beeindruckend. Der Samstag ging zu Ende und ich spürte Schmerz und Belastung nicht etwa in meinen Armen oder Beinen, das hätte den berühmten Nagel nicht auf seinen berühmten Kopf getroffen. Carsten (Carsten Ho. aus He.) bezeichnet so etwas mit: „Aua, ich habe ‚Körper’!“: Also, wir waren durch. Gematscht. Erledigt. Der Kopf war voll bis zum Rand. Und es fühlte sich gut an! Meeeehr!! Arnaud kündigte noch für den Sonntagmorgen Yoga an. Yoga? Is’ klar. Das konnte sich nur um einen typischen Arnaud-Scherz handeln… Erst einmal kam der klasse Abend. Im Bootshaus hatten wir reserviert und es war lecker, lustig, richtig witzig, eine echte internationale Spaßgemeinschaft – einfach genial! Den Sonntag begannen wir … mit Yoga. In echt. Auch wenn die Begriffe Yoga und Arnaud irgendwie nicht zusammen passen wollten, wir machten Yoga. Es war natürlich ein Yoga à la Arnaud. Also, ähm, ein Yoga très chic. Ein Yoga par excellence. Und es war das erste Mal, dass mir nach Yoga richtig warm war und dass ich während des Yogierens an Aufhören dachte. Ich kann mich heute an keine einzige Übung mehr erinnern, nur daran, dass mein Körper erheblich rebellierte, ich mich aber bei diesem Teufels-Yoga nur nicht blamieren wollte. Stell dir vor, meine Frau hätte erfahren, dass ich mir 2 Tage lang einen nach dem anderen einfange, dass gerne mitmache, aber gerade beim YOGA das Handtuch werfe? Alter, das würde ich 30 Jahre später noch aufs Brot geschmiert bekommen … Arnaud zu Folge praktiziert eine Elite-Einheit des französischen Militärs diese Übungen. Die Übungen könnten also so schlecht nicht sein. Wie Recht er hatte. Und Arnaud selbst? Er flutschte von einer anstrengenden Verbiegung in die nächste. Hey, ich bin selbst nicht wirklich ungelenkig, aber noch mal: das da war etwas für Zirkus-Anwärter oder Leonies oder so. Wer es nicht weiß: Arnaud war Ausbilder in einer Spezial-Einheit des französischen Militärs. Wir trainierten Hanbo-Techniken, die auf der „neuen“ Sanshin no Kata basierten. Wir trainierten Kukon, hier das Ausnutzen von Raum, den der Angreifer immer und meistens unfreiwillig freigibt, sobald er angreift. Und wir trainierten mit dem Seil. Hah! Seil. Was ein anfängliches Desaster! Arnaud zeigte den einfachen Einstieg in die Basis: einen schnellen Knoten um den Angreifer auch schnell zuerst an den Armen fesseln zu können. Ich hatte leider keinen Fotoapparat dabei. Dann könntet ihr jetzt nämlich sehen, dass allein dieser blöde Einstiegsknoten (!) zur Basis ungläubiges Staunen bewirkte. Was danach folgte, war … Ein massenhaftes Basteln von Seemannsknoten? Oder ein Schleife-Binden für 5-Jährige? Oder grottenschlechte Ansätze von Teppichweberei? … Nach 6-maligem Wiederholen mit einhergehendem, deutlich missmutig gestimmten Arnaud, schafften es drei Teilnehmer sich in die hohe Kunst des Basisknoten-Knotens einzuweihen. Diese 3 hatten schlagartig ungeheure Anerkennung und Beliebtheit und konnten ihr neues Wissen auch effektiv weitergeben. Ich habe es dann auch verstanden. Im Grunde ganz einfach. Im Grunde. Ja, und dann konnte man auch das Einwickeln und Fesseln des Angreifers trainieren. Eine feine Sache. Nuki gatana. Das Schwert zeichnen. [Folgt im Japanischen katana auf nuki, schreibt man es gatana, spricht aber katana.] Wir trainierten die vier Richtungen des Schwertzeichnens/ziehens. Vorwärts, seitlich, hoch, nach unten. Wir trainierten das Schwert zu ziehen und sofort zu cutten. So auch, nach dem Ziehen nach unten direkt einen Stich nach hinten auszuführen. Klasse empfand ich die Übungen auch im Gehen, Laufen und Springen auszuführen. Üben, üben, üben… Und wie es bei Arnaud-Seminaren „üblich“ ist, so war es auch dieses mal: die Zeit ging viel zu schnell vorüber. Der Sonntag endete somit fast abrupt. Klar, mit riesigem Beifall von freudig geschafften Teilnehmern. Es war wieder ein Hammer–Seminar in Hamm. Da diese Seminar–Qualität auch in Hamm Tradition hat, dürfen wir sicher sein Anfang 2010 Arnaud erneut begrüßen zu dürfen.

Merci beaucoup!

Matthias Matze Lehwald

Randunten

 

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